Die Zugvögel kehren wieder

 

– 2017 – das zweite Jahr unseres > Inselprojektes <. Anfang des Jahres haben wir uns im Trägerverein getroffen, diskutiert, Entscheidungen für das Jahr getroffen und zwei neue Mitglieder aufgenommen (damit sind wir jetzt zu zwölft). Dieses Jahr soll nochmals richtig viel passieren. Der Plan ist es, in den ersten zwei bis drei Anfangsjahren die Grundlagen für einen fünfzenjährigen Betrieb zu schaffen. Auf fünfzehn Jahre haben sich alle Vereinsmitglieder dem Projekt verpflichtet. Danach ist dann wieder Zeit für Grundsatzdiskussionen: in welche Richtung soll es gehen, wer macht wie weiter, welche Investitionen sind notwendig oder gewünscht?

Im Moment aber stehen wir noch ganz am Anfang. Zwei Dinge wollen wir dieses Jahr erreichen: Zum einen soll > Lintukoto – das kleine Haus am Meer – < möglichst weit voran kommen, damit Imma und Hans-Ruedi im 2018 in ihr neues Sommerzuhause ziehen können. Die beiden alten Wohnhäuser im Weiler sind dann frei für die Nutzung durch die anderen Vereinsmitglieder und Gäste. Zum zweiten sollen im Weiler Strukturen geschaffen werden für den Normalbetrieb (Ferien machen, Instandhaltung, kleine Sanierungen jedes Jahr). Wir wollen diesen Sommer die Innenrenovation am grösseren Wohnhaus > Strandgård < fertig stellen, eine Bibliothek/Ludothek sowie eine Werkstatt mit Materiallager einrichten, kleinere Reparaturen an der Sauna vornehmen und überall räumen, ordnen, entsorgen.

Nicht alle vom Verein können diesen Sommer kommen. Aber für einige von uns wird es nochmals ein richtig langer Inselsommer. Miikka nimmt die erste Fähre Ende April und will bis zur letzten Ende Oktober bleiben. Imma, Elina und Tinu bleiben fast solange, von Mai bis September. Christoph baut von Juli bis Oktober am Neubau Lintukoto. Hans-Ruedi kommt zweimal für mehrere Wochen. Moritz will für etwa eine Woche mit Freunden kommen und Bastian mit Marie. Auch viele Gäste haben ihren Besuch angekündigt.

  . 30.04.2017 .

„Heute morgen hat es geschneit, heftiger, kalter Wind. Nachmittags blauer
Himmel und warm bei Windstille. Die vorherrschende Farbe ist braun, die
vorherrschende Spezies Vögel.“

Miikka ist als erster auf der Insel und treibt die Winterkälte aus den Hauswänden. Mehrere Tage muss er den Holzofen einheizen bis die Wärme sich im Hausinnern hält.

  . 08.05.2017 .

Nach einer Fahrt durch winterlich kahle Landschaften und über dunkles, eisiges Meer treffen Imma, Elina und Tinu auf der Insel ein. Die Temperaturen liegen kaum über der Nullgradgrenze und vom Frühling erzählt nur das grün spriessende Gras.

Hallo Inseldorf. Alle Häuser stehen noch nach dem langen einsamen Winter.

Graue, schwere Wolken verdüstern den Himmel und entleeren sich schliesslich  in Schnee und Graupelschauern.

Aber als die Wolken aufreissen…

17-05-08 _ Fensterausblick

… leuchtet alles in strahlendem Sonnenschein, auf dem Meer tanzt ein Glitzern.

 

17-05-08 _ Dorf von Norden her

Nun auf zur ersten Besichtigung der Baustelle Lintukoto. Erleichtert sehen wir, dass fast alles noch intakt ist und sich gut gehalten hat.

Fürs erste bleiben wir zehn Tage auf der Insel. Zehn eisig kalte Tage, an denen die Temperatur tagsüber auf drei bis vier, zum Ende auf acht Grad steigt. Finnland erlebt einen der zwei kältesten Frühlinge der letzten hundert Jahre. Wir beschränken unseren Bewegungsradius im wesentlichen auf die gut beheizbare Stube im Haus Lillstuga, schieben die Renovationsarbeiten hinaus und machen uns ans Räumen und Entrümpeln: Erst das Geschirr der zwei Küchen, dann der Speicher mit zahlreichen Brettspielen, Spielsachen, Büchern und Plunder.

 . 15.05.2017 .

Noch ist es so kahl, dass jede Blüte und jede Knospe Anlass zur Freude bietet. Rot leuchten die Blätter des wilden Mauerpfeffers, violett die wilden Stiefmütterchen. Die Ebereschen treiben erste Blattknospen aus, während der Rhabarber schon kräftig gewachsen ist.

Bei aller Kälte bleibt das Wetter wechselhaft. So folgt auf einen Morgen, der so kalt und grau und windig ist, dass ich Miikka nur absetze und gleich wieder abdrehe mit dem Ruderboot, nicht einmal warten mag, bis er auf der Fähre ist …

… ein warm leuchtender Abend.

 . 18.05.2017 .

Und dann wieder, am Tag unserer Abfahrt in die Stadt, völlige Windstille und dichter Nebel.

17-05-18 _ Abfahrt

 . 22.05.2017 .

Als wir, Elina, Tinu und Imma, nun gemeinsam mit Hans-Ruedi, nach wenigen Tagen auf die Insel zurückkehren, ist diese wie verwandelt. Birken und Ebereschen treiben hellgrüne Blätter aus, die Kuhweide ist mit gelbem Löwenzahn gesprenkelt. Nur die schlanken grauen Zitterpappeln bleiben noch lange ohne Laub. Der Frühling ist da und mit ihm die Vögel. Schon Ende April / Anfang Mai waren viele der Zugvögel zurück aus ihrem Winterquartier, machten Zwischenhalt auf der Insel oder blieben da. Nun ist die Luft tags und nachts übervoll von ihrem Zwitschern und Trällern und Pfeifen.

Jetzt wird es langsam auch endlich warm genug, um noch ein wenig Gemüse zu setzen. Nachbar Olof pflügt wieder mit dem Traktor das Gemüsebeet.

Die Tage sind schon hell und lang. Abends in der blauen Dämmerung ist es oft windstill, das Meer ein grosser Spiegel.

 . 24.05.2017 .

Es spriesst und wächst. Zeit für den ersten Rasenschnitt.

Und andere Gartenarbeiten: Miikka legt ein neues kleines Hochbeet an; ein Mäuerchen aus Granitsteinen umfasst die mit Erde gefüllten Bananenschachteln. Hans-Ruedi bessert die Rabatte beim Haus aus.

Auch sonst tut sich was: Auf der Baustelle Lintukoto kommen drei lokale Handwerker, erst mal für drei Tage, dämmen und beplanken innen. Miikka macht sich ans Fundament der Terrasse. Und im Dorf ist Imma fleissig am Streichen: Wandtäfelung, Deckenleisten, ein Kinderbett.

 . 25.05.2017 .

Das Schlehen-Dornengewirr neben der Baustelle blüht wunderschön weiss vor schwarzen Ästen. Und die ersten Roten Lichtnelken öffnen ihre Blüten, bald schon leuchten ganze Teppiche in Rosa.

 . 28.05.2017 . 

Verschiedene Projekte sind am Laufen: Küchenmöbel montieren (Elina), Schachtelhaus bauen (Hans-Ruedi und Tinu), Windrad-Prototyp erstellen (Miikka), den Gemüseacker umgraben und jäten (Imma und Elina). Vor Ende des Monats setzt Imma einige Kilo Kartoffeln und hunderte Setzzwiebeln.

Eine Antwort auf „Mai auf der Insel

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